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Wolfsprojekt „Chisty Less“ in Russland
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Ziele des Projekts
Das Ziel von Vladimir Bologovs Projekt ist, langfristig das Prämiensystem in Russland abzuschaffen und den Wolf unter gesetzlichen Schutz zu stellen. Für jeden erlegten Wolf setzt die Regierung eine Prämie im Durchschnitt von 45 Euro (variiert von Region zu Region und kann derzeit mangels Finanzmitteln nicht ausbezahlt werden) aus. Wölfe können in Russland mit allen Methoden das ganze Jahr über gejagt werden. Mit seiner Forschungsarbeit konnte Bologov die Regierung davon überzeugen, dass Vergiften keine angemessene Jagdmethode ist. Für die Jagd mit Gift müssen Jäger mittlerweile eine entsprechende Erlaubnis beantragen, welche selten erteilt wird. Als weiteres Zwischenziel wird die Einführung einer Schonzeit für Wölfe angestrebt sowie die Ausweitung und weitere Ausweisung von Schutzgebieten. Neben der Feld- und Verhaltensforschung ist das Projekt Lehrort für junge Nachwuchsforscher aus Russland und anderen Ländern. Welpen werden von Jägern und aus Zoos aufgekauft und ihr Verhalten wird erforscht mit dem Ziel der Auswilderung. Momentan sind 19 Wölfe in der Station, 23 wurden in der Vergangenheit erfolgreich ausgewildert.
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Grauwölfin mit Sendehalsband
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Grauwölfin Shela
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Lokalität
Inmitten der südwestlichen Taiga, rund 400 km nordwestlich von Moskau entfernt, liegt in der Region Tver im Distrikt Toropets die biologische Station „Chisty Less“ (sauberer Wald). Die Station ist Teil des Central Forest Nature Reserve (65.000 km2) und wurde 1985 von dem bekannten Biologen Valentin Pazhetnov gegründet um verwaiste Bären zu rehabilitieren und auszuwildern. Seit dieser Zeit liegt ein ca. 35 km2 geschütztes Gebiet um die Station, welches mittlerweile weit über die Grenzen Russlands hinaus bekannt ist und ideale Voraussetzungen für die Forschungsarbeit bietet. Vladimir Bologov hat in „Chisty Less“ 1993 im Rahmen seiner Forschung das Wolfsprojekt gegründet.
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Leitung
Vladimir Bologov ist am 3. Dezember 1965 in Moskau geboren und aufgewachsen. Im Alter von 10 Jahren zog er mit seinen Eltern in das Central Forest Nature Reserve, wo sein Vater als Wolfsforscher arbeitete. Nach dem Schulabschluss 1984 und einer zweijährigen Militärszeit studierte er von 1986 bis 1993 Biologie- und Wildlifemanagement an der Universität Moskau. Studienbegleitend war er als Ranger im Reservat tätig. 1993 begann Vladimir Bologov mit seiner eigenen Forschung und ist seit dieser Zeit Wissenschaftler und Leiter des Wolfsprojekts in „Chisty Less“.
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Vladimir Bologov
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Laetitia Becker zieht Wolfswelpen auf
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Team
Professor Jason Badridze und Dr. Andrey Poyarkov von der Universität Moskau sind im Rahmen ihrer Forschungsarbeit jährlich mit 3 bis 6 Studenten über mehrere Monate in der biologischen Station.
Laetitia Becker, eine französische Biologin, schreibt momentan ihre Doktorarbeit über Wölfe.
Vladimir Belajev ist als Ranger im Reservat tätig.
Rund 12 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen Vladimir Bologov bei seiner Forschungs- und Rehabilitationsarbeit.
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Ausstattung
Die Wölfe sind zurzeit in 3 Gehegen untergebracht, welche einige Kilometer auseinander liegen:
In Puplovo sind in 1,5 ha großen Gehege 7 Wölfe. Hier arbeiten überwiegend die Wissenschaftler der Universität Moskau und Forscher aus anderen Ländern.
Marino bietet momentan mit 0,7 ha Platz für 3 Welpen, deren Verhalten (mit minimalstem menschlichem Kontakt) von Laetitia Becker erforscht wird.
Die Wolfsgruppe in Belkovo wird überwiegend von Vladimir Bologov mit größt-möglichster Freiheit und viel Auslauf außerhalb des Geheges erforscht. In der 0,3 ha großen Umzäunung sind 9 Wölfe.
Neben Vladimir Bologovs Pferd (mit dem er viele Wegstrecken zurücklegt und das in dem unwegsamen Gelände sehr gute Dienste leistet) stehen nur ein uralter Toyota, ein marodes Motorbike und ein Skidoo für die Logistik zur Verfügung.
In der Forschungsstation ist ein Computer und es gibt einen Telefonanschluss. Die Möglichkeit das Internet zu nutzen besteht im nur wenige Kilometer entfernten Dorf Kasilova.
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Wolfsrudel in Chisty Less
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Vladimir Bologov und Prof. Andrej Poyarkov
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Projektarbeit und Forschung
Forschungsarbeit in den Gehegen und Rehabilitation (Auswilderung)
In Puplovo erforschen die Studenten der Universität Moskau (und dem Ausland) unter anderem die Kommunikation und Akustik der Wölfe, das Verhalten (Interaktionen in der Gruppe), Physiologie (Aktivität und energetische Balance) sowie kognitive Lernprozesse. Die Wissenschaftler sind teilweise mit den Wölfen (3 Einjährige und 4 Welpen aus diesem Jahr) im Gehege. Der Kontakt zu den Studenten wird im Herbst abgebrochen, es wird nur noch Fleisch im Gehege abgelegt, sodass die Wölfe erfahrungsgemäß ihre natürliche Scheu vor den Menschen zurück gewinnen.
Die Wolfsgruppe in Marino (3 Welpen aus diesem Jahr) wird mit minimalstem menschlichem Kontakt erforscht. Die Welpen stammen aus einem Zoo, sind scheu und wurden die ersten Wochen von ihrer Mutter versorgt.
Über den Winter werden sie in der Aufzuchtstation gefüttert und im kommenden Jahr ausgewildert.
Diese Forschungsarbeit soll weitere Informationen und Vergleiche über die erfolgte Rehabilitation liefern (Verhalten in der natürlichen Umgebung, Kontakt mit wilden Artgenossen, Rudelbildung, Verhalten gegenüber Menschen und Haustieren).
Im Gegensatz zu der Marinogruppe wurden die Wölfe in Belkovo (4 Einjährige, 4 Welpen aus diesem Jahr) mit der Hand und Flasche aufgezogen. Sie stammen von Wilderern, welche sie von der Mutter in einem sehr frühen Stadium genommen haben. Ein Straßenwolf aus Moskau hat ebenfalls im Belkovo sein Rudel gefunden. Durch den intensiven Kontakt zu einer Bezugsperson (Vladimir Bologov) erkennen die Welpen ihn als Rudelführer an. So ist es Bologov möglich, täglich mehrere Stunden mit den Wölfen im Wald unterwegs zu sein und ihr Verhalten in natürlicher Umgebung zu erforschen (sowie teilweise zu filmen) und ihre Auswilderung vorzubereiten.
Sämtliche Wölfe der drei unterschiedlichen Gruppen werden ausgewildert. Der Zeitpunkt der Auswilderung hängt vom Verhalten der einzelnen Wölfe und Rudel ab.
Diese Forschungsarbeit ist einmalig auf der Welt und kann anderen Wolfs- und Rehabilitationsprojekten wichtige Informationen liefern.
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Feldforschung
Vladimir Bologovs Vater Viktor Bologov hatte seinen Schwerpunkt in der Feldforschung und sein Sohn hat von Kindheit an und später im Rahmen seiner eigenen Forschungsarbeit viel Zeit in die Feldforschung investiert. Russland bietet, wie kaum ein anderes Land, auf Grund der Wolfspopulation hierfür ideale Bedingungen. So konnten die Verhaltensweisen der Wölfe, insbesondere auch in Beziehung zu Haustieren und Menschen, detailliert erforscht und dokumentiert werden. Viktor Bologov hat Methoden entwickelt, wie Viehhalter mit minimalem Aufwand ihre Tiere erfolgreich schützen können. Diese Methoden werden von Vladimir Bologov weiter erforscht und optimiert.
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Wolfswelpen südwestlich der Taiga in Chisty Less
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Mensch und Wolf: Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit
Ein weiterer Schwerpunkt des Wolfsprojekts ist die Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung. Vladimir Bologov berät und informiert Viehhalter, Privatpersonen und Schulklassen. Mit seinen Filmaufnahmen, die im russischen Fernsehen gezeigt werden, will er mit den Vorurteilen gegenüber dem Wolf aufräumen. Vom Bayrischen Rundfunk wurden zwei Filme („Der den Wolf versteht“ und „Wolfspakt“) über Vladimir Bologov produziert. In diesen Filmen wird auf die Situation der russischen Wölfe sowie auf das Prämiensystem Bezug genommen und Bologovs Arbeit erklärt. National Geographik hat ebenfalls einen Film, der international ausgestrahlt wird, gedreht.
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Freilebende Jungwölfe bei Belkova
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Jungwolf bei Belkova
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Finanzierung
Das Projekt finanziert sich momentan aus Vladimir Bologovs Privatvermögen, Spenden von Privatpersonen und dem Aufenthalt von Öko Volontären (Eco-volunteers).
Jeder Wolf frisst ca. 1 kg Fleisch pro Tag. Bei 19 Wölfen kostet das Futter rund 7.000,00 € jährlich. Hinzu kommen die Fahrt- und Transportkosten, die mittlerweile den eigentlichen Futterpreis übersteigen. Die Gehege müssen regelmäßig erneuert und ausgebaut werden. Ein laufender Meter Zaun kostet 30,00 €. Da die speziellen Zäune nicht in der unmittelbaren Umgebung erhältlich sind und in Moskau gekauft werden müssen, fallen auch hier wiederum Transportkosten an.
Neben den oben genannten laufenden Kosten, muss für die Wolfsgruppe in Belkovo dringend ein neues Gehege gebaut werden. Hierfür werden mindestens 400 Meter Zaun benötigt.
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Zukunftspläne
Die Zukunft des Projekts ist von Sponsoren und Spendern abhängig. Futter und Gehege stehen an oberster Stelle auf Prioritätenliste.
Dringend müssten auch die altersschwachen Fahrzeuge repariert oder ersetzt werden.
Wichtig ist auch die Anschaffung weiterer Sendehalsbänder für die freizulassenden Wölfe um Informationen wie Rudelfindung, Beute, Revierverhalten und Lebensdauer zu dokumentieren.
Für Öko Volontäre (Ecovolunteers) könnten weitere Aufenthalts- und Einsatzmöglichkeiten organisiert und eingerichtet werden.
In einer alten Schule soll ein Wolfsinformationszentrum eingerichtet werden um die Bevölkerung, Schulgruppen und Besucher über Wölfe aufzuklären.
Stand: Oktober 2008 - Gisela Müller
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Gisela Müller zieht in Chisty Less Wolfswelpen auf
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Bei Interesse für Sponsoring freue ich mich:
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oder www.wolfshilfe.de
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Alle Fotorechte liegen bei Gisela Müller |